Facetten der Prävention – Artikel Schweizerische Ärztezeitung

04.02.2026

Prävention umschreibt die Kunst, zukünftige Erkrankungen bereits zu verhindern, bevor diese ausgebrochen sind. Wir beginnen eine Therapie in der Gegenwart, um die Zukunft günstig zu beeinflussen. Verständlich, dass es ärztliches Einfühlungsvermögen braucht, um dieses Konzept schlüssig zu vermitteln, insbesondere wenn die therapeutische Massnahme als ‹lebenslänglich› angedroht wird.
Fortschritte in der Kardiologie haben einen wesentlichen Anteil am Anstieg der Lebenserwartung in den letzten 50 Jahren. Die Mortalität von Herzinfarkten in den USA konnte beispielsweise von 1970 2022 um 90 % reduziert werden [1]. Wichtiger für die Langzeitprognose als die Stentimplantation erscheint jedoch eine optimale Sekundärprävention, allen voran die Senkung des LDL Cholesterins. Durch verbesserte Risikomodelle mittels künstlicher Intelligenz sind in den kommenden Jahren auch bahnbrechende Fortschritte in der Primärprävention zu erwarten, um Hochrisikopatientientinnen
und -patienten sehr frühzeitig zu identifizieren und aggressiv zu therapieren[2].
In der aktuellen politischen Debatte über die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems fehlt vielfach ein wesentlicher Aspekt: am billigsten (und zufriedensten) ist letztlich der gesunde Wähler – eine win win Situation! Somit wäre die Gesundheitspolitik gut beraten, Anreize zu setzen, damit Menschen sich mehr mit ihrem Lebensstil auseinandersetzen. Eine rezente Studie zeigt, dass eine rechtzeitige Therapie der typischen kardiovaskulären Risikofaktoren >10 Lebensjahre ohne Herz-/Kreislauferkrankungen erreichen kann [3].
Man könnte den Gedanken noch weiter spinnen und gesunde Lebensmittel steuerlich begünstigen und ungesunde stärker besteuern. Die gewonnenen Mittel könnten dann direkt zur Entlastung der Krankenkassenprämien dienen. Menschen mit abträglichem Lebensstil würden so – Risiko adjustiert – einen finanziellen Beitrag leisten.
Das Bildungsniveau korreliert bekanntermassen mit der Lebenserwartung. Ein eigenverantwortliches Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein ist somit erlernbar. Folglich wäre eine Investition in die Gesundheitsbildung der Bevölkerung sicherlich in vielerlei Hinsicht lohnend. Drs. Google & Chat GPT liefern dem interessierten Laien zwar eine Lawine an Informationen mit teils jedoch kontradiktischen Inhalten. Als Fazit bleiben dann nicht selten Ratlosigkeit und falsche Schlussfolgerungen zurück. Ein KI generierter ChatBot zu Gesundheitsfragen, moderiert durch das BAG als objektive Instanz wäre wünschenswert und könnte die Prävention stärken. Um auch junge Menschen besser zu erreichen, sollten Infokampagnen des BAG auf Social Media Kanälen und in der Schule forciert werden. Unter Jugendlichen kommt es leider, entgegen dem Trend der letzten Jahre, nun wieder zu einem Vormarsch des Nikotinabusus durch Vapen.
Die Basis für die Prävention von späteren Erkrankungen beginnt also bereits in der frühen Jugend. Aus ärztlicher Sicht wäre es erstrebenswert, dass auch die Gesundheitspolitik sich vermehrt der unterschiedlichen Facetten der Prävention bewusst wird und diese gezielt fördert, um unsere Patientinnen und Patienten gesünder zu machen und das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten.

Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Georg Fröhlich
FMH Kardiologie und Innere Medizin

Korrespondenz:
georg.froehlich@hirslanden.ch

Literatur:
1. King SJ et al. Heart Disease Mortality in the United States, 1970 to 2022. J Am Heart
Assoc. 2025 Jul; 14(13): e038644
2. Bohula EA et al. Evolocumab in Patients without a Previous Myocardial Infarction or
Stroke. N Engl J Med. 2025 Nov 8. doi: 10.1056/NEJMoa2514428.
3. Magnussen C et al. Global Effect of