Lipoprotein(a): Der unterschätzte Risikofaktor für Herz und Gefäße – Artikel Seetaler Bote

29.05.2026

Viele Menschen kennen Blutfettwerte wie LDL („schlechtes Cholesterin“) oder HDL („gutes Cholesterin“). Weniger bekannt ist dagegen Lipoprotein(a), oft kurz Lp(a) genannt.

Dabei kann ein erhöhter Lp(a)-Wert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Aortenklappenerkrankungen deutlich erhöhen – selbst bei ansonsten guten Cholesterinwerten. Aus Studien ist bekannt, dass bis zu 20% der Bevölkerung einen erhöhten Lp (a) Wert aufweist.

Lp(a) kann Ablagerungen in den Blutgefäßen fördern und Entzündungsprozesse verstärken.

Erhöhte Lp(a)-Spiegel gelten als unabhängiger Risikofaktor sowohl für Herzinfarkt als auch für Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, aber auch Verkalkung der Herzklappen.

Je höher der Wert, desto größer das Risiko. Besonders kritisch wird es, wenn zusätzlich andere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder hohe LDL Cholesterinwerte vorliegen.

Das Besondere: Der Lp(a)-Wert wird überwiegend vererbt. Ernährung, Bewegung oder Gewicht beeinflussen ihn nur gering. Deshalb können auch sportliche und gesund lebende Menschen erhöhte Werte haben.

Aktuelle Leitlinien empfehlen inzwischen, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben beim Hausart bestimmen zu lassen. Es handelt sich dabei um einen einfachen Bluttest. Besonders sinnvoll ist die Untersuchung bei Menschen mit: früher Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Familie, Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungen Jahren oder erhöhtem Cholesterin trotz gesunder Lebensweise.

Da der Lp(a) Wert genetisch festgelegt ist, reicht meist eine einmalige Messung aus. Werte >125nmol/l gelten als deutlich erhöht.

Die genaue Einordnung sollte immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt erfolgen.

Momentan ist noch keine spezifische Therapie für das Lipoprotein (a) erhältlich.

Folgende Maßnahmen stehen daher derzeit im Vordergrund:

  • LDL-Cholesterin konsequent senken mit Cholesterin senkenden Medikamenten wie Statinen oder PCSK9 Hemmern
  • Gesunder Lebensstil senkt zwar das Lp(a) nicht, hat jedoch einen schützenden Effekt für Ihr Herz: Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, mediterrane Ernährung, Blutdruckkontrolle, Diabetesbehandlung

Es werden aktuell allerdings mehrere vielversprechende Wirkstoffe für eine deutliche Lp(a) Senkung in Studien untersucht (z.B. Pelacarsen von Novartis). Aussagekräftige Studienergebnisse werden für Ende dieses Jahres erwartet. Es bleibt somit zu hoffen, dass in den kommenden Jahren spezifische Behandlungen verfügbar werden.

Ein hoher Lp(a)-Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Herzkrankheit entsteht. Er zeigt jedoch an, dass genauer auf die Gefäßgesundheit geachtet werden sollte. Wichtig ist deshalb eine individuelle Risikoabschätzung gemeinsam mit Ihrem/r Hausarzt/-ärztin.

Wer seinen Wert kennt, kann frühzeitig gegensteuern und andere Risikofaktoren konsequent behandeln.

Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Georg Fröhlich
FMH Kardiologie und Innere Medizin