Worauf muss ich als Herzpatient im Winter achten? – Artikel Luzerner Zeitung

06.12.2022

Ich (m, 71) hatte dieses Jahr eine grosse Bypassoperation am Herzen. Ich nehme Medikamente gegen Bluthochdruck, bin Ex-Raucher und etwas übergewichtig. Bei kalter Witterung habe ich manchmal etwas Druck auf der Brust und Atemnot. Ist das ein Alarmsignal? Muss ich im Winter speziell vorsichtig sein?

Unsere Körpertemperatur wird normalerweise um 37 Grad gehalten, damit alle Lebens­vorgänge reibungslos ablaufen. Bei Kälte muss der Körper daher mehr Energie aufwen­den, um die Temperatur kons­tant zu halten, was die Herz- Kreislauf-Belastung erhöht. Die lebenswichtigen Organe werden bevorzugt. Das heisst: Bei Kälte ziehen sich in der Peripherie die Blutgefässe zusammen, um die Kerntem­peratur stabil zu halten, wäh­rend die Arme und Beine eben abkühlen. Die Folge: Der Blutdruck steigt bei Kälte an. Deshalb sollten Patientin­nen und Patienten mit Blut­hochdruck häufiger den Blut­druck selbst messen und auf eine regelmässige Einnahme der Medikamente achten. So werden frühzeitig Blutdruck­entgleisungen erkannt und die Medikamente können gegebe­nenfalls durch den Hausarzt angepasst werden. Blutdruck-und Herzmedikamente sollten morgens frühzeitig eingenom­men werden, ehe man die warme Wohnung verlässt. So kann der Körper den Kälte­stress besser bewältigen. Patienten mit Ablagerun­gen an den Herzblutgefässen («Verstopfungen») berichten häufig, dass sie bei Kälte öfter Angina Pectoris (Brustenge) verspüren, was eine Vorstufe für einen Herzinfarkt sein kann. Auch bislang gesunde Menschen, welche bei kaltem Wetter plötzlich Brustschmer­zen verspüren, sollten sich deshalb unbedingt beim Haus­arzt abklären lassen.

Mehr Herzinfarkte bei sehr kalter Witterung

Es ist auch belegt, dass bei sehr kalter Witterung häufiger Herzinfarkte auftreten. Herz­patienten wie Sie sollten des­halb im Winter besser in beheizten Räumen Sport treiben, als etwa im Freien joggen zu gehen. Überanstren­gungen sollte man vermeiden. Auch Patienten mit Herz­schwäche (Herzinsuffizienz) sollten sich bei kaltem Wetter besonders schonen. Eine kanadische Studie konnte zeigen, dass bei sinkender Temperatur im Winter und steigendem Luftdruck (bei Nebel und tief hängenden Wolken) das Risiko für eine Spitaleinweisung bei diesen Patienten deutlich erhöht war. Ebenso können bestimmte Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern bei plötzli­chem Wetterumschwung und besonders bei kalter Witterung ausgelöst werden. Wer Herz­rasen oder einen unregelmässi­gen Puls verspürt, sollte die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen. Viele Patienten mit emp­findlichen Atemwegen (Asth­ma, COPD/«Raucherlunge») beschreiben im Winter ver­mehrte Luftnot, da sich auch die Bronchien bei kalter Witte­rung zusammenziehen. Auch hier muss gegebenenfalls eine Anpassung der Medikation (unter anderem Asthmasprays) erfolgen. Weiter sollten Herz­patienten in Kooperation mit dem Hausarzt Ihren Impfstatus hinsichtlich Grippe (Influenza), Corona und auch Pneumokok­ken (Erreger der Lungenent­zündung) optimieren.

Kurzantwort

Herzprobleme können sich bei Kälte häufen. Bei Beschwerden sollte man deshalb frühzeitig die Hausärztin/den Hausarzt konsul­tieren. Eine massvolle sportliche Betätigung ist auch im Winter gesund, bei grosser Kälte trai­niert man aber besser in einem Innenraum. Zu überprüfen ist auch der Impfstatus.

PD Dr. med. Georg Fröhlich

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